Diskriminierung deutscher Sprachminderheiten? Verschiedene Ebenen, Begriffe und Widersprüchlichkeiten der Sprach(en)politik in Mittel- und Osteuropa am Beispiel Ungarns


Carl, Jenny and Stevenson, Patrick (2011) Diskriminierung deutscher Sprachminderheiten? Verschiedene Ebenen, Begriffe und Widersprüchlichkeiten der Sprach(en)politik in Mittel- und Osteuropa am Beispiel Ungarns. Der Deutschunterricht, 2011, (6), 2-18.

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Description/Abstract

Unter Diskriminierung von Sprachminderheiten versteht man im allgemeinen Vorfälle wie Beschimpfungen oder Benachteiligungen im Bildungs- und Berufsweg. Anders als in den Beispielen offener kultureller Diskriminierung von Maitz/Elspaß in diesem Heft geht es in diesem Beitrag um subtile Einstellungen und Praktiken, die sich in der Summe negativ auswirken (können).Wir wollen dabei besonders auf die Frage eingehen, welche Form der deutschen Sprache im ungarischen Bildungssystem eigentlich sanktioniert wird. Die Unterrichtssprache ist Standarddeutsch, während die Traditionen der deutschen Minderheit mit deutschen Dialekten verbunden sind. Anhand dieser Fallstudie wollen wir zeigen, dass sich aus den verschiedenen Erwartungen an diese Form der Bildung Widersprüchlichkeiten ergeben, die die Sprecher der Dialekte stigmatisieren.

In Ungarn ist die Schule die wichtigste Institution zur Vermittlung von Deutsch als Minderheitensprache, einschließlich der Geschichte und kultureller Besonderheiten der deutschen Minderheit. Im besten Falle ermöglicht sie eine zweisprachige Erziehung durch Deutsch als Unterrichtssprache und -medium, nicht nur als Fremdsprache. Dadurch stellt sich den Schulplanern der deutschen Minderheitenschule die folgende Frage nach dem Zweck der Schule: Soll sie den Angehörigen der deutschen Minderheit einen privilegierten Zugang zu dieser Bildung ermöglichen, die nach wie vor sowohl einen hohen symbolischen als auch ökonomischen Wert besitzt, oder soll sie die Sprache so weit wie möglich verbreiten, um damit den Fortbestand (der Geltung) der deutschen Sprache in Mitteleuropa zu sichern (vgl. Heller 1994: 106, 111)? Die gesetzlichen Bestimmungen zum Umgang mit nationalen Minderheiten in Ungarn sehen dabei dabei die erstgenannte Position vor, während in der Praxis der Zugang zu dieser Form der Erziehung über die schulischen Leistungen der Kinder geregelt wird, und nicht (nur) über ihr nationales Zugehörigkeitsgefühl.

Wir fragen daher:
– Welche Themen und Begriffe greifen die politischen Diskurse um die deutsche Sprache auf und welche Akteure sind daran beteiligt?
– Wie beziehen sich die einzelnen Akteure aufeinander und auf welche Funktionen von Sprache und welche Sprachformen beziehen sie sich dabei?
– Wie positionieren sich einzelne Deutschsprecher im Beziehungsgeflecht von Hochdeutsch als transnationaler Ressource und Deutsch als Minderheitensprache?

Ergänzend zu anderen Beiträgen in diesem Heft wollen wir dadurch herausfinden, in welcher Beziehung verschiedene Sprachen und -formen – hier: Ungarisch, deutsche Dialekte und Hochdeutsch – zueinander stehen. Insbesondere geht es dabei um um die Frage, welchen Raum die offizielle Sprachpolitik diesen Sprachen/Sprachformen einräumt, und ob jemand als Sprecher von Deutsch als Minderheitensprache in einer ungarisch-sprachigen Kultur und/oder als Sprecher eines deutschen Dialekts im hochdeutschen Schulunterricht benachteiligt ist.

Item Type: Article
ISSNs: 0340-2258 (print)
Subjects: P Language and Literature > PB Modern European Languages
Divisions: Faculty of Humanities > Modern Languages
ePrint ID: 199175
Date Deposited: 12 Oct 2011 13:38
Last Modified: 27 Mar 2014 19:46
URI: http://eprints.soton.ac.uk/id/eprint/199175

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